IST DAS DER TIPPING-POINT?

Ist die Meldung, dass der amerikanische 3D-Druck Autobauer Local Motors ab nächsten Monat Bestellungen für Autos aus dem 3D-Drucker entgegen nimmt (vgl. 3dprint.com), ein Weckruf für die arrivierte Automobilzunft?

Wird die Nachricht bewirken, dass die heutigen Weltmarktführer und die gesamte restliche Industrie verstehen, welche gewaltigen Folgen die Einführung und Verbreitung des 3D-Drucks für sie und ihre Kunden haben?

Der so genannte Tipping-Point bezeichnet ja bekanntlich den Zeitpunkt, an dem ein vermeintlich unbedeutendes Ereignis Großes bewirkt. Vielleicht ist es aber doch nicht die einzelne Meldung, sondern vielmehr die Vielzahl der Nachrichten aus der 3D-Druck-Szene, die hoffentlich bald für die Aufmerksamkeit sorgen, die das Thema verdient.
Dazu beitragen könnte vielleicht die Nachricht, dass insgesamt von Januar bis Juni 2015 88.000 Geräte weltweit verschickt wurden (vgl. 3druck.com , was einen Anstieg von 52% gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 entspricht. Oder sind es möglicherweise die in immer kürzeren Abständen eintreffenden Neuigkeiten zu Produktinnovationen, schnelleren und preiswerteren Geräten, effizienteren Verfahren und leistungsfähigeren Materialien, die den ganz großen Umschwung in der öffentlichen Wahrnehmung erzeugen werden? Jedenfalls ist es für alle Unternehmen, und Angestellte, Bürger und Politiker allerhöchste Zeit, sich dem Thema zuzuwenden.

Die Gründe dafür fasse ich in 5 Thesen zusammen:

  1. 3D-Druck ist eine disruptive Technologie. Sie verändert in hohem Tempo die Art und Weise wie, wo, und von wem Produkte entworfen, konstruiert und hergestellt werden und damit weltweit die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse.
  2. 3D-Druck bzw. die Additive Fertigung ist leistungsfähiger, schneller, einfacher, ökologischer, preisgünstiger, demokratischer und kundengerechter (individueller) und ermöglicht mehr Kreativität als die klassische Fertigung.
  3. Es entsteht ein globaler Markt für Produktionskapazitäten. (u.a. Shapeways, iMaterialize, 3D-Hubs) mit Millionen neuer Produzenten durch die Möglichkeit weltweit überall Produktionsstätten mit 3D-Druckern aufzubauen.
  4. In den Vordergrund rückt die Produktidee, das Design und der Bauplan, während die eigentliche Produktion zur selbstverständlichen, überall verfügbaren Ressource wird. Der Austausch dieser immateriellen Produkte funktioniert auf Service-Plattformen (z. B. Microsoft/netfabb, Materialize, PrintrOS, Staples, Thingiverse) die global operieren. Anders ausgedrückt: Lokalisierung der Produktion, Globalisierung der Produktkonzepte.
  5. 3 Antriebskräfte bestimmen das Tempo der Verbreitung: 3D-Drucker werden immer schneller ( z.B. Carbon3D, kostengünstiger (z.B. formlabs und leistungsfähiger/vielseitiger (z.B.INDMATEC ).

Werner Koch, 3D-Druck Solingen

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