Pflegebedürftige Senioren mit VR-Brille auf großer Weltreise

Mit einer von uns erstellten Virtual Reality App bringt der Verein Lebensherbst Abwechslung in den Alltag.

Ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, erleben die Welt oft nur noch in den vier Wänden des Pflegeheims. So gerne würden sie noch einmal zu den Ausflugsorten von früher fahren oder staunen, wie sich ihre Heimatstadt verändert hat. Oder wie sieht es in Australien aus? Dort, wo die Enkeltochter wohnt? Und was wäre es doch schön, noch einmal am Canale Grande in Venedig zustehen oder den Ausblick auf die Alpen zu genießen.

Petra Krötzsch vom Verein Lebensherbst, der sich um bedürftige und einsame Senioren in den Pflegeeinrichtungen kümmert, hatte die Idee: “Bringen wir doch einfach die Welt zu den
Heimbewohnern!“
Dank neuer Technologien wie Virtual Reality kann so ein Wunsch in die Tat umgesetzt werden. Als virtuelle Realität, kurz VR, bezeichnet man die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der
Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung. Wer eine VR-Brille aufsetzt, hat für die Zeit der Benutzung den Eindruck, sich an einem anderen Ort zu befinden.

Zur Finanzierung des Projekts stellte die Schirmherrin des Vereins Lebensherbst, die Schauspielerin Mariella Ahrens, den Kontakt zur Deutschen Postcode Lotterie her, die 30 Prozent von jedem Losbeitrag an gute Zwecke in der Nähe der Teilnehmer vergibt. Mit 14.000 EUR unterstützte man dort gerne das Vorhaben.

Petra Krötzsch suchtee auf Virtual Reality spezialisierte Firma und fand sie in Solingen. Die EXCIT3D GmbH wurde beauftragt, eine VRLösung als Pilotprojekt für die Zielgruppe “Ältere, nicht mobile Menschen in Pflegeheimen” zu realisieren.

Mit dem Diakonischen Werk Bethanien in Solingen fand man schnell einen aufgeschlossenen Kooperationspartner. Im Team mit den Mitarbeitern des Hauses und interessierten Heimbewohnern
wurden die Anforderungen und Bedürfnisse festgestellt. Weder die technische Bedienung noch die Inhalte sollten die Senioren überfordern.

EXCIT3D entwickelte deshalb eine Virtual-Reality-App mit 360 Grad-Videos und -Fotos, die in vier Kategorien auf die Vorlieben und Fähigkeiten der älteren Menschen zugeschnitten ist. Das
Pflegepersonal kann anhand des Menüs das jeweils passende virtuelle Erlebnis für die Senioren auswählen:

  • Stufe 1 = ruhig (nur 360 Grad Fotos),
  • Stufe 2 = bewegte Umwelt (360 Grad Videos, Foto-Touren)
  • Stufe 3 = bewegte Umwelt + bewegter Heimbewohner (360 Grad-Videos, 3D-Umgebungen)
  • Stufe 4 = aktiver Heimbewohner (mit Controller)

Da das Pilotprojekt in Solingen stattfindet, stammen die regionalen Schauplätze aus der Klingenstadt. Das Spektrum reicht von Autofahrten durch die Innenstadt bis nach Solingen-Gräfrath, über Ausflüge nach Schloss Burg, die Seilbahnfahrt bis zu Spaziergängen im Brückenpark der Müngstener Brücke. Neben Déjà-vus und neuen Erlebnissen reisen die Senioren auch in die Ferne: In die Berge, an den Strand und nach Venedig. Eine Schiffsreise auf der Spree in Berlin ist ebenfalls dabei.

“Die App lässt sich erweitern und modifizieren”, EXCIT3D-Geschäftsführerin Katrin Burkatzki erklärt, worauf es bei der Lösung ankam: “Man setzt die VR-Brille auf und landet mit zweimaligem Drücken der Controller-Knöpfe direkt in der virtuellen Welt. Der Controller besitzt nur wenige Funktionen, das App-Menü ist einfach und übersichtlich gestaltet.” Hier werden die Heimbewohner natürlich von den Mitarbeitern der Pflegeeinrichtung unterstützt, die vorab eine Schulung erhalten. Bedienung, Pflege und hygienische Behandlung der Geräte sind praktisch und einfach zu erlernen.

Petra Rottmann von der Deutschen Postcode Lotterie ist begeistert: „Wir freuen uns, dass dank unserer Lotterie-Teilnehmer in NRW dieses Projekt in Solingen stattfindet. Es ist schön zu sehen, wie sich die Senioren über das Gesehene austauschen, zusammen lachen und Lebensfreude zurückkehrt!“

Derweil überlegen Petra Krötzsch und Katrin Burkatzki bereits die nächsten Schritte: “Schön wäre es, wenn alle Pflegeeinrichtungen deutschlandweit auf eine Datenbank zugreifen könnten, in der
virtuelle Schauplätze der ganzen Welt, 360 Grad-Filme aus dem Fußballstadion des Lieblingsvereins, einem Zoo oder der Heimatstadt zu finden sind.“